Zum zweiten Mal nach 2002 lassen wir in der noch jungen Geschichte des TIK durch Fitzgerald Kusz die so genannten „kleinen Leute“ zu Wort kommen. Die Frage nach dem warum überhaupt und die Frage nach dem warum gerade mit Schweig, Bub! beantwortet uns der Autor selbst: „Ich setze auf größtmögliche Identifikation mit denen da oben auf der Bühne, die zwei Stunden lang ungeniert essen und dies mit Reden begleiten. Nie wieder habe ich in einem anderen Stück einen derart hohen Grad der Identifikation erreicht, wie in Schweig, Bub!

Wir vom TIK gehen auf der Identifikationsschiene noch einen Schritt weiter.
Bei uns gibt es kein „da oben auf der Bühne“.
Sie als Zuschauer sind Gast der Konfirmation von unserem Fritzla.
Sie sind nicht nur dabei, Sie sind mittendrin.
Und wenn Sie angesprochen werden, dürfen Sie ruhig antworten.
Und vor allem: Sie essen zwei Stunden lang ungeniert mit, ganz im Sinne von Kusz.

Kusz weiter über sein Stück: „Es ist mir gelungen, Leute ins Theater zu locken, die es in ihrem ganzen Leben noch nie von innen gesehen haben. Der Dialekt nahm ihnen die Berührungsangst mit der Kultur. Die zweite Identifikationsschiene, über die der Bub läuft, ist die Unentrinnbarkeit der Familiensituation. Ich kenne keinen, der nicht in einer Familie aufgewachsen ist. Jeder hat mal ein ähnliches Fest erlebt. Da gibt es keine Ausnahmen.“
Mit seinen scharf gesehenen und gezeichneten, liebevoll-bösartigen fränkischen Typen hat Fitzgerald Kusz weit über die Grenzen seiner sprachlichen Heimat ungewöhnlichen Erfolg, Es gibt 12 Übersetzungen, die bisher von Antwerpen (flämisch) bis Graz (steirisch), von Hamburg und Berlin bis Liechtenstein und Bern (Schwyzerdütsch) gespielt wurden. Die bayerische Fassung zog über 20.000 Besucher ins Münchner Volkstheater.
Schweig, Bub! schildert die Konfirmation eines 14-jährigen Jungen. Seinen ersten Schritt ins Leben missbrauchen die Erwachsenen für ein Fest, bei dem sie sich – trotz aller guten Absichten – unter ihresgleichen produzieren. Die Mittelpunktsfigur, der Junge, wird von Gesprächsthemen wie Beruf, Alkohol, Politik und schließlich gar Beziehungsproblemen regelrecht erdrückt.
Kusz selbst sieht sein Stück als Psychogramm des Kleinbürgers, nicht aber als langweilige soziologische Versuchsanordnung.
Lachen ist erlaubt!
Vielleicht führt vom Zwerchfell eine direkte Verbindung zum Hirn?

Schee wär’s!

Bildergalerie

Besetzung:

Fritzla, der Konfirmand: Nicolas Valentin Peter
Gretl, seine Mutter: Manuela Dresel/ Ingeborg Peter
Hans, sein Vater: Michael Lehner
Tante Anna: Inge Müller/ Ingeborg Peter
Onkel Willi: Georg Küfner
Gerda, eine Bekannte: Hilde Häßler
Manfred, ihr Mann: Günther Zischka
Cousine Hannelore: Andrea Voigt

Musik: Helmut Weisser

Regie: Jürgen Peter

Abgespielt