soeintheater

Zwischen Slapstick und Realsatire

Das „Theater in der Kneipe“ (TIK) zeigte in „Holl’s Malergarten“, wie das Leben sein kann.

Das Stück „So ein Theater“ des renommierten Autors Karlheinz Komm kam beim Publikum sehr gut an.
Eine Ehetragödie à la Virginia Wolf könnte es sein, würden sich die beiden nicht entsetzlich mögen. Und wären sie nicht Vollblut Theatermenschen, mit Mutterwitz und Selbstironie höchst begabt. So witzeln sie in Bildungszitaten, kalauern sie sich durch ihre einstigen Paraderollen von der Antike über Goethes „Faust“ bis zur Moderne und lassen die Grenze zwischen Fiktion und Realität verschwimmen.
Weil der Wirklichkeitsverlust die Alt-Mimen schon immer begleitet hat, hat sich ein ordentlicher Schuldenberg aufgetürmt: 40000 Miese sind zurückzuzahlen, sonst droht Zwangsversteigerung. So werden die Zuschauer an den Tischen in der Kneipe Zeugen einer verzweifelten Geldbeschaffung. Doch die jeweiligen Geniestreiche zerplatzen wie Seifenblasen: Der Rezitationsabend mit Lyrik von Eichendorff endet durch das lautstarke Handy-Gequatsche einer überspannten Blondine in einer unerträglichen Kakophonie. Der Versuch von ihr, als freie Mitarbeiterin bei der Lokalzeitung anzuheuern, wird schon bei der ersten Kritik zum Flop.
eichendorff
Wie brutal das Leben mit Hubertus Hyronimus (Jürgen Peter) und Blanka Blasheimer (Inge Müller) verfährt, wird zum Gaudium des Publikums auch in anderen Szenen vorgeführt: Wenn sie zum Beispiel einen Tisch aus einem verklebten Ikea-Paket zusammenbasteln und gegen die Tücken des Materials und das Hongkong-Kauderwelsch der Gebrauchsanleitung ankämpfen. Oder wenn er, in seiner Rolle als Pensionär Müller seinen Lebensabend mit Müllsortieren, Rasenmähen und Schneeschippen verbringen soll.
Karlheinz Komm hat sich „So ein Theater“ von der Seele geschrieben: voller literarischer Anspielungen, häufig geistvoll, nur manchmal kasprigklamaukhaft, doch auch sensibel, liebevoll human, doch ätzend bös und zeitkritisch, um zum Beispiel den Sprachverfall vorzuführen.
Rollen auf den Leib geschrieben.
Will man die Nuancen des Textes rüberbekommen, braucht man Theater erfahrene Akteure. Mit Inge Müller und Jürgen Peter stehen diese zur Verfügung. Die Rollen des Künstler-Alt-Ehepaares sind ihnen auf den Leib geschrieben. Jürgen Peter bühnenpräsent, wandlungsfähig, ausdrucksstark, souverän auch noch so lange Textpassagen schulternd. Und Inge Müller eine köstliche Karikatur der spleenigüberkandidelten Blanka Blasheimer und der sonstigen Frauenparts.

Melusine SpringmausSven Larch, professioneller Zauberkünstler, hat mit der Comedy sein Regiedebüt gegeben und die Inszenierung mit Gags und Spielwitz aufgepeppt. Gewiss eine glückliche Ergänzung zu dem größeren Ensemble-Stück „Saupreißn“ des fränkischen Autors Fitzgerald Kusz.
Für beide KneipenStücke gilt natürlich das Markenzeichen: Po-an-Po-Theater, Anmache des Publikums. Die Premierengäste am Samstag jedenfalls genossen das Mitmachtheater und sei es nur, dass man in einem turbulenten Spiel von Schneewittchen einen der sieben Zwerge am Sarge der Schönen spielen durfte.
Wolfgang Schoberth (Bayer. Rundschau, Kulmbach)
Ein Interview mit dem Autor Karlheinz Komm lesen Sie hier.

Bildergalerie

Besetzung:

Blanka Blasheimer: Inge Müller
Hubertus Hyronimus: Jürgen Peter

Regie: Sven Larch

Abgespielt